Wie ihr wollt,
dass euch die Leute tun sollen,
so tut ihnen auch!
Lukas 6,31
Petrus Claver
Pedro Claver (1580–1654) wurde Jesuit und siedelte 1610 nach Kolumbien über. Zum Priester geweiht, zog er nach Cartagena, dem größten Umschlagplatz des 17. und 18. Jahrhunderts für schwarze Sklaven in Amerika. Er wurde zum »Sklaven der Sklaven«: Bereits bei der Ankunft besuchte er sie im Schiffsraum und pflegte die dort wie Vieh angeketteten Menschen. Pedro kümmerte sich ebenfalls um die Leprakranken, besuchte Gefangene im Kerker und begleitete zum Tode Verurteilte in den letzten Stunden.
L: Jes 58,6–11; E: Mt 25,31–40
Aleksandr Wladimirowitsch Men
Aleksandr Wladimirowitsch Men (1935–1990) war russisch-orthodoxer Erzpriester in Russland. Der Humanist und Brückenbauer zwischen den Kulturen und Weltreligionen hat zehn Bücher veröffentlicht; sie mussten im Ausland gedruckt werden und waren vor der Wende in Russland verboten. Er lebte dreißig Jahre lang als Priester auf dem flachen Land unter ständiger Beobachtung des KGB, mit Hausdurchsuchungen und Vorladungen schikaniert. 1990 wurde Aleksandr Men auf dem Weg zum Sonntagsgottesdienst in seiner Pfarrkirche ermordet. Der Mord ist bis heute nicht aufgeklärt, doch ist es bekannt, dass er Nationalisten und Antisemiten im Staat verhasst war. Sie beschuldigten ihn der »inneren Zersetzung« der russisch-orthodoxen Kirche, weil er die gemeinsamen Wurzeln von Christentum und Judentum betonte und die gemeinsamen Werte der unterschiedlichen Religionen hervorhob. Für viele Zeitgenossen, die dem Sowjetsystem kritisch gegenüberstanden, wurde er zum Hoffnungsträger und spirituellen Pendant zu dem Bürgerrechtler Andrej Sacharow.
Neujahr im Judentum (hebräisch: Rosch ha-Schana)
Nach jüdischer Tradition beginnt die Zählung der Jahre mit der Erschaffung der Welt, das ist (nach dem gregorianischen Kalender) der 7. Oktober 3761 v. Chr.
Morgenlob
Herr, öffne meine Lippen. Damit mein Mund dein Lob verkünde. Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen. Halleluja. (entfällt in der Fastenzeit)
HYMNUS
Lasst euch aufeinander ein,
lasst uns Friedensstifter sein.
Grenzen öffnen, Mauern abbauen,
Liebe schenken, Brücken bauen.
Einmal mehr den anderen verstehen,
auf den anderen zuzugehen.
Wieder einen Schritt zum Frieden wagen
und die Liebe im Herzen tragen. Kv
Bringt ein Licht in die Dunkelheit,
sucht nach Versöhnung und nicht nach Streit.
Wagt es, die Welt mit offenen Augen zu sehen,
einander Hoffnung und Leben geben. Kv
Lernt für einander verantwortlich zu sein,
ladet Fremde zur Freundschaft ein.
Versucht, keine Missgunst auszusäen,
ihr werdet lernen zu verstehen. Kv
Wilfried Büscher
PSALM 35 Verse 9–16
Meine Seele wird jubeln über den Herrn *
und sich über seine Hilfe freuen!
Mit Leib und Seele will ich sagen: *
Herr, wer ist wie du?
Du entreißt den Schwachen dem, der stärker ist, *
den Schwachen und Armen, dem der ihn ausraubt.
Da treten ruchlose Zeugen auf. *
Man wirft mir Dinge vor, von denen ich nichts weiß.
Sie vergelten mir Gutes mit Bösem; *
ich bin verlassen und einsam.
Ich zog ein Bußkleid an, als sie erkrankten, /
und quälte mich ab mit Fasten. *
Nun kehre mein Gebet zurück in meine Brust.
Als wäre es ein Freund oder ein Bruder, *
so ging ich betrübt umher,
wie man Leid trägt um die Mutter, *
trauernd und tief gebeugt.
Doch als ich stürzte, lachten sie *
und taten sich zusammen.
Sie taten sich gegen mich zusammen *
wie Fremde, die ich nicht kenne.
Sie hören nicht auf, mich zu schmähen; /
sie verhöhnen und verspotten mich, *
knirschen gegen mich mit den Zähnen.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit *
und in Ewigkeit. Amen.
Psalm-Gebet
Gerechter Gott, du bist bereit zu verzeihen, und durch deine Liebe dürfen wir als versöhnte Menschen leben. Hilf uns, dass auch wir bereit werden zu verzeihen.
LESUNG Lukas 6,38
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.
BENEDICTUS – LOBGESANG DES ZACHARIAS
Antiphon:
Der Herr hat an seinen heiligen Bund gedacht, an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat.
BITTEN
Herr Jesus Christus, du hast denen verziehen, die dich ungerecht verfolgt und getötet haben. Wir bitten dich:
A: Herr, sei uns gnädig.
–Mach uns bereit, andere nicht zu richten.
– Hilf uns, das Gute um seiner selbst willen zu lieben und zu tun.
– Stärke unsere Liebe zu allen Menschen.
VATERUNSER
Gott verzeiht uns unsere Schuld, solange wir noch Sünder sind. Er kommt uns mit seiner Liebe entgegen. Voll Dankbarkeit beten wir: Vater unser im Himmel …
SEGEN
Gott segne uns mit einem weiten Herzen,
damit wir niemanden ausschließen.
Er segne uns mit der Erkenntnis seiner Liebe,
damit wir sehen, wie reich er uns beschenkt hat.
Er segne uns mit der Kraft zu verzeihen aus der Erfahrung,
dass auch uns verziehen worden ist.
Amen.
ORA ET LABORA
Man darf nichts in der Welt durch Gewalt zu erreichen suchen! Wer zum Schwert, zum Messer, zum Gewehr greift, wird nur zu rasch seinen Henkern und Bedrückern gleich. Und der Gewalt wird kein Ende sein.
Alexander Solschenizyn (1918–2008; russischer Schriftsteller, Träger des Nobelpreises für Literatur)
Schriftlesung
Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes. Amen.
Gottes Wort öffnet uns für seine Liebe. Es mache uns bereit, seiner Liebe zu folgen.
LESUNG 1. Korintherbrief 8,1b–7.11–13
Schwestern und Brüder! Die Erkenntnis macht aufgeblasen, die Liebe dagegen baut auf. Wenn einer meint, er sei zur Erkenntnis gelangt, hat er noch nicht so erkannt, wie man erkennen muss. Wer aber Gott liebt, der ist von ihm erkannt.
Was nun das Essen von Götzenopferfleisch angeht, so wissen wir, dass es keine Götzen gibt in der Welt und keinen Gott außer dem einen.
Und selbst wenn es im Himmel oder auf der Erde so genannte Götter gibt – und solche Götter und Herren gibt es viele –, so haben doch wir nur einen Gott, den Vater. Von ihm stammt alles und wir leben auf ihn hin. Und einer ist der Herr: Jesus Christus. Durch ihn ist alles, und wir sind durch ihn.
Aber nicht alle haben die Erkenntnis. Einige, die von ihren Götzen nicht loskommen, essen das Fleisch noch als Götzenopferfleisch und so wird ihr schwaches Gewissen befleckt.
Der Schwache geht an deiner »Erkenntnis« zugrunde, er, dein Bruder, für den Christus gestorben ist. Wenn ihr euch auf diese Weise gegen eure Brüder versündigt und ihr schwaches Gewissen verletzt, versündigt ihr euch gegen Christus.
Wenn darum eine Speise meinem Bruder zum Anstoß wird, will ich überhaupt kein Fleisch mehr essen, um meinem Bruder keinen Anstoß zu geben.
Impuls In Korinth gibt es Auseinandersetzungen um das Essen von Fleisch, das aus Opferhandlungen stammt. Paulus stimmt denjenigen zu, die die »Erkenntnis« haben, dass dieses Fleisch keine religiöse Bedeutung hat, da es nur den einen Gott gibt. Trotzdem legt er diesen »Starken« die Schwächeren ans Herz, die (noch) nicht so weit sind. Damit nimmt er ihnen nichts weg: sie dürfen die »Starken« bleiben. Aber sie können lernen, souverän auf ihr Recht zu verzichten um der Gemeinschaft willen.
EVANGELIUM Lukas 6,27–38
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln.
Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd. Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück.
Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen.
Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden.
Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder.
Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür?
Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen.
Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden.
Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.
Impuls Liebe erträgt keine Einschränkung. Liebe zu Gott, zum Nächsten, zu mir selbst, und zum Feind – das lässt sich nicht voneinander trennen. Aus der Perspektive Jesu ist Liebe umfassend oder Liebe ist nicht Liebe. Liebe ist so stark, dass sie den Kräften von Hass und Feindschaft nicht auszuweichen braucht. Die Liebe traut uns zu, unsere eigenen Hassgefühle wie auch die Kränkungen und Verletzungen, die uns andere zugefügt haben, überwinden zu können. Jesus hat selbst höchste Feindschaft erfahren. Und trotz oder gerade wegen dieser Realität fordert er die Seinen auf: »Liebt eure Feinde«. Das geht nicht im Kopf. Das muss Tat werden. Jesus appelliert an unsere persönliche Liebesfähigkeit, an die Größe unseres Herzens – mitten im Alltag der Widerwärtigkeiten. Jesus geht es um die Liebe, die er selber ist, für die er lebt und für die er stirbt. Er will die Liebe in uns wecken, die nicht erst da beginnt, wo ich Sympathie und Liebe zu spüren bekomme, und die nicht dort aufhört, wo mir Feindseligkeit entgegenschlägt. Den Kreislauf des Bösen durchbrechen – das ist Jesu Herzensanliegen. Dann werden wir durch die Liebe selbst beschenkt – »in reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß«.
GEBET
Gott, du bist Liebe, und du schließt keinen Menschen aus deiner Liebe aus. Du weißt, wie sehr wir Liebende sein wollen und wie schwer wir uns zugleich damit tun, deiner umfassenden Liebe zu entsprechen. Öffne uns für deine Liebe, damit wir fähig werden, sie weiterzugeben und in der Liebe zu wachsen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, der das menschliche Antlitz deiner Liebe ist. Amen.
Abendlob
O Gott, komm mir zu Hilfe. Herr, eile mir zu helfen. Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen. Halleluja. (entfällt in der Fastenzeit)
HYMNUS
Ewiger Gott, aus dem Nichts
hast du das Weltall geschaffen;
lag doch kein Urstoff bereit
neben dir, ewig wie du.
Ebenso wird einst dein Wille
die Welt von Grund auf verwandeln;
doch du bleibst immer dir gleich,
so wie von jeher du warst.
Klein ist die Spanne der Zeit,
durch die unsre Jahrhunderte gleiten,
kurz bemessen die Frist,
heilig zu werden wie du.
König der Welten, lass uns
in Treue dir dienen auf Erden,
und zum heiligen Kampf
schenk uns göttliche Kraft.
Nach »Tu qui de nihilo«; Fulbert von Chartres († 1028)
PSALM 131
Herr, mein Herz ist nicht stolz, *
nicht hochmütig blicken meine Augen.
Ich gehe nicht um mit Dingen, *
die mir zu wunderbar und zu hoch sind.
Ich ließ meine Seele ruhig werden und still; /
wie ein kleines Kind bei der Mutter *
ist meine Seele still in mir.
Israel, harre auf den Herrn *
von nun an bis in Ewigkeit!
Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit *
und in Ewigkeit. Amen.
Psalm-Gebet
Allmächtiger Gott, wir schauen auf dich und wollen deinem Willen folgen. Hilf uns, dass wir alles aus Liebe tun und allein an deiner Liebe genug haben.
LESUNG 1. Korintherbrief 8,1b–3
Die Erkenntnis macht aufgeblasen, die Liebe dagegen baut auf. Wenn einer meint, er sei zur Erkenntnis gelangt, hat er noch nicht so erkannt, wie man erkennen muss. Wer aber Gott liebt, der ist von ihm erkannt.
MAGNIFIKAT – LOBGESANG MARIENS
Antiphon:
Der Herr vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten.
FÜRBITTEN
Allmächtiger Gott, du schenkst uns die Kraft, das Gute zu erkennen und zu tun. Wir bitten dich:
A: Höre auf die Bitten deines Volkes.
– Für alle, die in den Kirchen versöhnen und Spaltungen überwinden.
– Für einen Erfolg der internationalen Friedens- und Abrüstungskonferenzen.
– Für die Menschen und Organisationen, die entlassenen Strafgefangenen beistehen.
– Für alle Menschen, die durch Skrupel gehemmt sind.
VATERUNSER
In Jesus Christus sind wir Schwestern und Brüder, wir alle dürfen Gott unseren Vater nennen. So beten wir, wie es uns Jesus Christus gelehrt hat: Vater unser im Himmel …
SEGEN
Gott segne uns, wenn wir stark sind
und wenn wir schwach sind,
wenn wir uns anderen überlegen fühlen
und in unseren Misserfolgen.
Er führe jeden auf seinem Weg
und eine uns in der Gemeinschaft mit ihm.
Amen.